WENN TSUKOROK PIEPT, HABEN SOLDATEN NUR ZWEI OPTIONEN

Kaum etwas ist bei ukrainischen Soldaten aktuell so begehrt wie Tsukorok: Eine kleine Plastikbox mit Bildschirm und Antennen, die umgerechnet gerade einmal 50 Euro kostet – und trotzdem kaum überlebenswichtiger sein könnte. Denn bei Tsukorok (zu Deutsch: Zückerchen, in Anspielung auf Würfelzucker) handelt es sich um einen einfachen, kompakten und effektiven Drohnendetektor. An der Front zählen Drohnenangriffe für die Soldaten aktuell zu den allergrößten Gefahren.

Das Funktionsprinzip von Tsukorok ist recht einfach: Jede Drohne ist über Funkwellen mit einem Sendepult verbunden. So steuert der Pilot das Fluggerät in die gewollte Richtung, während gleichzeitig Videobilder sowie Telemetriedaten ans Pult übertragen werden. Tsukorok kann mindestens eines, oft auch beide Signale abfangen – und sogar die meisten russischen Drohnen voneinander unterscheiden. Probleme machen allerdings noch die wenige Kilometer fliegenden First-Person-View-Drohnen.

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FPV-Drohnen sind in der Lage, auf niedrigere Frequenzen umzuschalten, weshalb Tsukorok theoretisch eine weitere Antenne bräuchte, um sie zuverlässig zu erkennen. Das gelingt zwar auch bei diesem Drohnentyp, allerdings weniger häufig als bei anderen. Doch komplizierte Spektrumanalysatoren – also genauere Messgeräte zur Erfassung von Frequenzen – kommen für die Infanterie an der Front aus praktischen Gründen kaum in Frage. Sie sind viel zu unhandlich. Tsukorok passt dagegen in eine Tasche.

Maksym: „Nur Sekunden später folgten zwei Einschläge“

In der Hektik an der Front ist die Bedienung des Geräts zudem einfach und leicht verständlich. Der Soldat weiß: Wenn das Gerät piept, besteht akute Gefahr – und auf dem Bildschirm ist sofort zu erkennen, um welche Drohne es sich vermutlich handelt. Für den Ernstfall existieren dann verschiedene Anleitungen, wie sich die Soldaten am besten verhalten sollten. Wird etwa eine Aufklärungsdrohne entdeckt, muss der Infanterist sofort anhalten, um nicht durch die Bewegung erkannt zu werden.

Handelt es sich allerdings um eine Kamikazedrohne, sollte der Fahrer eines militärischen Fahrzeugs den Wagen sofort verlassen und weglaufen. Maksym Kolesnyk, der selbst ein Drohnenbataillon anführt, hat eine solche Situation erlebt. „Wir waren sieben Kilometer von der Front entfernt, als Tsukorok piepte. Also sind wir blitzschnell aus dem Auto gesprungen – und nur Sekunden später folgten zwei Einschläge. Wir wurden leicht verletzt. Die Haupstache ist aber, wir sind alle noch am Leben.“

Entwickler plant noch weitere Verbesserungen an Tsukorok

Dass Kolesnyk und andere Soldaten russische Drohnenangriffe überlebt haben, verdanken sie einem ukrainischen Programmierer aus London. Dmytro Selin hat Tsukorok konstruiert, nachdem Militärs ihm über die Probleme mit den Drohnen berichtet hatten und er mehrere russische Drohnen im Detail anschauen konnte. „Am schwierigsten war es, einen Algorithmus mit einem angemessenen Verhältnis von falschen und richtigen Alarmen zu entwickeln“, erklärte er in einem Interview mit der BBC.

Auch, dass Tsukorok den richtigen Drohentypus erkennt, sei anspruchsvoll gewesen. „Und es sollte alles billig und in der Masse produzierbar sein. Ich würde nicht sagen, dass mir das perfekt gelungen ist“, sagt Selin. Dennoch hat Tsukorok bereits viele Leben gerettet. „Es ist besser als alles andere, was es bis dahin auf dem Markt gab.“ Für seinen Drohnendetektor plane er zwei prinzipielle Verbesserungen, um auf das von ihm angepeilte Niveau zu kommen. Welche genau, verrät er nicht.

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