DIESE CORONA-AUFARBEITUNG IST EIN WITZ! EINE POLEMIK

Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

Während das sogenannte Haushaltsloch durch sogenannte Masken-Deals immer tiefer wird, kommt die sogenannte Aufarbeitung in Fahrt. Wobei „Fahrt“ ein bisschen übertrieben ist. Bislang sind die Verantwortlichen der Coronapolitik vor allem damit beschäftigt, um die Bedingungen der Kritik an ihnen zu feilschen.

Die wichtigste: Es darf niemand verantwortlich gemacht werden: Es konnte ja niemand wissen, Ausnahmesituation, man kennt und versteht das. Trotzdem ist nicht alles mit Not und Krise und „Präventionsparadox“ zu rechtfertigen.

Die zweitwichtigste: Lernen sollen „wir“, allesamt, „aus der Coronakrise“.

Lernen? Immer gut, aber die Frage ist, wie es am besten funktioniert. Am weichgezeichneten Bildschirm des selbstbeweihräuchernden Homeschooling jedenfalls nicht. Und wenn man, wie Jens Spahn, Gesundheitsminister a. D. und unangefochtener Experte in Eigenmarketing, konsequent um den heißen Brei herumredet, dürfte die Lernkurve eher flach ausfallen. „Es ging um die Rettung von Menschenleben“, sagt er, ohne rot zu werden, im Jahr 2024 noch genauso pathetisch-verlogen.

Das soll die Antwort sein auf Kritik an Milliarden-Steuerverschwendung durch panische, womöglich lobbygetriebene Maskenblankoschecks? Alles, was man bei dieser „Aufarbeitung“ lernen kann, ist: Es geht ums Kaufen, (Sich-)Verkaufen und Für-dumm-Verkaufen. Immer.

Immerhin darf mittlerweile ein lange als „unsolidarisch“ verfemter Schauspieler wie Jan Josef Liefers bei Maybrit Illner reden, ohne als „Coronaleugner“ gelabelt zu werden. Liefers kritisiert die damalige Panikmache – schon für dieses Wort wäre man auf dem Scheiterhaufen steigender Inzidenzen gelandet. Das „Kanonenfeuer“ auf Maßnahmenkritiker sei „kein guter Moment in unserer Demokratie“ gewesen, befindet Liefers. Das ist eine noch milde Tatortbeschreibung.

Unfreiwillig komisch dagegen wirkt, wie der staatstragendste aller Journalisten, Georg Mascolo, sich als bedächtiger Aufarbeiter inszeniert. Oder hatte er sich damals schon für die Angefeindeten eingesetzt, die an Impfpflicht, Maßnahmen, Maskendeals zweifelten, und man hat’s nur nicht mitbekommen? Jedenfalls hat er ein Buch zu verkaufen, also noch eins, diesmal mit dem Chefvirologen Christian Drosten zusammen, und deshalb sitzen sie dort einträchtig bei Illner und machen Werbung in eigener Sache. „Aufarbeitung“ sells.

Der Wind hat sich gedreht, heute kann man (sich) besser verkaufen, wenn man schon immer gesagt oder zumindest gedacht haben will, dass monatelange Schul- und Kitaschließungen nicht gesund sein können, weder gesellschaftlich noch individuell. Nur: Wenn so was Aufarbeitung sein soll, kann man getrost drauf verzichten.

Im Übrigen betreiben auch alle anderen „Aufarbeitung“ im „Für-dumm-verkaufen-Modus“. Was fehlt: echte mediale Selbstkritik, gerade der Öffentlich-Rechtlichen. Ohne sie steht all die schöne Aufarbeitung auf einem Bein und wackelt herum. Medien haben zum Teil angstwolllüstig beigetragen, das Volk „auf Linie zu bringen“ (Liefers) – eine Ausdrucksweise, für die er vor drei Jahren gesteinigt und aus jedem öffentlich-rechtlichen Talk verbannt worden wäre – wegen „false balance“ (falscher Ausgewogenheit).

„Falsche“ Standpunkte sollten, so die Forderung, nicht unangemessen viel Sendezeit erhalten. Andernfalls könnte das Volk auf die Idee kommen, dass die „richtigen“ Standpunkte gar nicht stimmen, und wählt am Ende noch die Falschen. Doch die Taktik geht nicht auf: Die Leute verlieren scharenweise das Vertrauen, laufen über zu sogenannten alternativen Medien und machen ihr Kreuz wirklich an der falschen Stelle.

Man wünscht sich, dass zum Beispiel mal eine ZDF-Intendanz oder eine Spiegel-Chefredaktion oder auch, pardon, die Verantwortlichen in taz, Tagesspiegel, SZ öffentlich sagen: „Wir haben Mist gebaut. Wir waren einseitig. Wir haben nicht genug hinterfragt. Wir haben uns von der Politik vereinnahmen lassen. Wir waren unkritisch. Wir sendeten zahlenfixiert und sensationsgeil.“ Wie befreiend das wäre! Wie vertrauens-, wie aufarbeitungsfördernd! Passiert aber nicht.

Dabei hatte Mascolo vor Ausbruch der Pandemie seine Kollegen noch zur Selbstkritik aufgefordert. Journalisten müssten um ihrer Glaubwürdigkeit willen Fehler zugeben, forderte er, und räumte selbst ein: „Ich habe mich dieser Verpflichtung in der längsten Zeit meines Berufslebens entzogen.“

Die Selbst-Entziehung geht weiter. Als dürfe das Publikum keinesfalls von medialer Selbstkritik verwirrt werden – sie verkauft sich schlecht.

Katharina Körting, freie Autorin und Journalistin, 2024 Arbeitsstipendiatin für deutschsprachige Literatur der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

2024-07-10T05:08:00Z dg43tfdfdgfd